„Pali und die anderen„ von Linda Steigenberger

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Von Linda habe ich gelernt, dass es in diesem tollen Kinderbuch nicht um das Anderssein geht sondern um die Gemeinsamkeit und die Verbindung zwischen allen Menschen.

Pali scheint zuerst ganz anders als die Anderen. Doch auf den zweiten Blick hat Pali viele Gemeinsamkeiten mit Einzelnen aus der Gruppe und „die Anderen sind gar nicht so gleich“, wie zunächst vermutet.

Dieses Pappbilderbuch enthält so viele Aspekte, die ich mag:

Die Botschaft, egal wie unterschiedlich wir aussehen, haben wir alle Gemeinsamkeiten, die es zu entdecken gilt. Der Fokus auf die Gemeinsamkeiten lässt ein Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen, welches jedes Kind braucht, um in der Welt verankert zu sein und sich willkommen zu fühlen.

Dieser Denkanstoß lässt sich auf so viele Lebensbereiche übertragen – denn diese Sichtweise hilft nicht nur in unseren zwischenmenschlichen Beziehung sondern auch in unserer Beziehung zu anderen Lebewesen – wenn wir entdecken, welche Gemeinsamkeiten wir beispielsweise mit Tieren haben, wird klar, dass unsere aktueller Umgang mit ihnen keinen Sinn ergibt. Wenn wir entdecken, welche Gemeinsamkeiten wir mit Tieren haben (aber ebenso mit Pflanzen), warum sollten wir sie anders behandeln, als wir es uns für uns selbst wünschen?

Die Figur Pali und die anderen Wellensittiche sind so wunderbar dargestellt. Sie bringen die Betrachter zum Schmunzeln und doch öffnen sie auch das Herz.

Ich liebe Collagentechnik, deshalb üben Kinderbücher mit dieser Illustrationstechnik auf mich einen besonderen Reiz aus.

Die Haptik des Pappbilderbuches ist besonders. Ich hab es sehr gerne in der Hand. Auch die Farben des Buches gefallen mir richtig gut.

Meine Kinder und ich lieben die kleine, feine Geschichte, die uns in kurzen Worten die Welt erklärt.

Ich durfte ihr einige Fragen stellen und habe interessante Antworten bekommen.

KinderLeseWunder: Wer bist Du in einem Satz?

Linda Steigenberger: Das Subjekt. 😉

KiLeWu: Wie kommst du zum Geschichten erfinden?

LS: Indem ich meine ganz eigene Geschichte gefunden habe.

Meine lange und intensive Elternzeit war und ist zum einen geprägt von Abstand zur Außenwelt. Und zum anderen von Nähe zu meiner kleinen Tochter Palina und meinem inneren Kind. 

So hatte und habe ich die Möglichkeit, mich in der kindlichen Welt – geprägt von Neugier, Lebensfreude, leidenschaftlichem Spiel und Sicherheit – vor der erwachsenen Welt – geprägt von seelischen Überforderungen und Ängsten – verstecken zu können. Hier ist die Grenze zwischen Fantasie und Wirklichkeit durchlässig und das Wünschen hilft noch. Diese wundervolle Form der Regression öffnet mir neue kreative Räume und lässt mich auf eine menschenwürdige Zukunft hoffen. So habe ich für Palina eine hoffnungsvolle Bilderbuchgeschichte zum Thema Inklusion gestaltet und – um wieder eine Verbindung zur Außenwelt herzustellen – veröffentlicht. 

Der darüber entstandene Austausch mit gleichgesinnten Menschen, die gemeinsam für eine vielfältige und zugleich überschaubare Welt kämpfen – eine Welt, in der wir uns persönlich kennen, gegenseitig wahrnehmen und unterstützen – ist der wohl schönste Teil dieser Geschichte. 

KiLeWu: Wie kam Dir die Idee zu Pali als Figur?

LS: Diese Geschichte begann bereits vor 15 Jahren mit meiner großen Liebe Alex. Wir teilten unsere erste gemeinsame Wohnung mit den unzertrennlichen Papageien Paul und Paula. Doch die beiden hatten leider nicht so viel Glück: Paul verlor seine Paula schon sehr früh und lebte von da an ohne seine große Liebe weiter, gemeinsam mit uns. Erst viel später erfuhren wir, dass unser Schwarzköpfchen eigentlich ein Weibchen war. Die Pauli begleitete uns in guten wie in schlechten Zeiten, bis hin zur Hoch-Zeit. 2018 heirateten wir und so entstanden für unsere Hochzeitstorte die unzertrennlichen Pauliköpfchen. (Wer genau hinsieht, findet sie im Buch wieder!)

Im darauffolgenden Jahr wurde ich schwanger. So entstand ein kleines Pauliköpfchen aus einer Hochzeitsdeko-Partytröte. Die Figur hieß anfangs noch Lindalex Junior und war das Symbol für unser heranwachsendes Baby in meinem Bauch.

Nach dem ersten Trimester der Schwangerschaft ging unser kleiner Vogel Pauli von uns. 

Und plötzlich war sie da, unsere Tochter Palina, die größte Liebe unseres Lebens.

Seither trägt die Kinderbuchfigur ihren Namen. 

KiLeWu: Warum der Fokus aufs Anderssein?

LS: Zum einen bin ich hochsensibel. Weil ich das sehr lange weder verstehen noch benennen konnte, hatte ich das Gefühl anders zu sein und nicht dazu zu gehören. Zum anderen wurde mir mein Leben lang gesagt, ich sei u. a. zu dünn. Auch das gab mir immer wieder das Gefühl irgendwie falsch zu sein. Eine Hörminderung nach einer Operation am Innenohr bestätigte dieses Selbstbild.

Im Zusammenleben und in der Arbeit mit Menschen (mit Behinderungen) habe ich mich erstmalig richtig und dazugehörig gefühlt. Heute weiß ich auch warum: Das christlich geprägte Welt- und Menschenbild ist ein anderes als ich es in einer Welt desorientierter, unsicherer und verängstigter Individuen bis dahin erfahren hatte. Das zeigt sich im gemeinschaftlichen Miteinander und in der gelebten Vielfalt. 

Unser tatsächliches Anderssein beginnt erst in der Gesellschaft. 

Wenn wir begreifen, dass sichtbare und nicht sichtbare Unterschiede die Bandbreite des Menschseins bedeuten, können wir den Blick auf unsere Gemeinsamkeiten wenden. 

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ginge es ums Anderssein. Doch beim genaueren Hinsehen steht das Verbindende im Fokus. 

Dieser Perspektivwechsel soll Pali und den anderen ein von Selbst- und Nächstenliebe geprägtes Bild von Anfang an vermitteln. 

KiLeWu: Welchen Bezug hast Du zu Illustrationen, Grafik und/oder Kunst?

LS: Kunst ist für mich Ankommen und Veränderung. Indem ich kreativ arbeite, kann ich im Hier und Jetzt zur Ruhe kommen und vor lauter Ideen völlig aufgeregt nicht schlafen. Ich liebe beides.

Weil ich die künstlerischen Arbeiten anderer mehr zu schätzen weiß als meine eigenen, habe ich Kunstpädagogik studiert. 

Für mich sind alle Menschen Künstler*innen und in ihrer Kunst sind sie frei. Und ich möchte sie dabei begleiten. 

KiLeWu: Warum Selfpublishing?

LS: Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ein guter und passender Verlag mein Buch veröffentlichen würde. Weil ich aber meine Geschichte trotzdem teilen wollte, habe ich mich für diesen Weg entschieden.

KiLeWu: Was nervt am Selfpublishing am Meisten?

LS: Die hohen Herstellungskosten. Dadurch ist auch der Buchpreis hoch. Das ist hinderlich für den Verkauf und mein Vorhaben, das Buch mit seiner Botschaft zu verbreiten.

KiLeWu: Was ist das Schönste am Selfpublishing?

LS: Die kreative Freiheit.

Aber vor allem die persönlichen und wertschätzenden Begegnungen. 

KiLeWu: Was ist dein Lebensmotto?

LS: „Nur das, was verstanden wird, ist zu verändern.“ (Claudia Haarmann)

„Der Gedanke braucht Ruhe, eine gelegentliche Pause, er ‚braucht seine Zeit‘ […]“ (Zygmunt Bauman)

In Lindas Buch und auf Ihrem Instagramaccount entdeckt Ihr übrigens auch die Hochzeitstortenfiguren, von denen sie in ihren Antworten spricht. Schaut vorbei.

Beim Online-Shop „Wiladu“ könnt Ihr das Buch erwerben.

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