Philosophieren mit Kindern

Die Vorteile vom Philosophieren mit Kindern liegen für Michael Siegmund, dem Kinderphilosophen, wie er sich selbst nennt, auf der Hand: es ist ein tolles Denk- und Sprechtraining und eine wunderbare Förderung der emotionalen Ebene beim Kind, einmal durch die Beziehungsarbeit zwischen Eltern und Kind und zum Anderen die Entwicklung der Fähigkeiten des Kindes verschiedene Perspektiven einnehmen zu können. Außerdem entwickeln Kinder viele, neue kreative Ideen, reflektieren sich und die Umwelt auf vielfältige Weise und sind dadurch viel bewusster. Neben den Vorteilen fürs Kind gibt es auch einen direkten Vorteil für Eltern und Pädagogen. Sie bekommen einen selten tiefen Einblick in die Gedankenwelt der Kinder.

Als Hilfestellung und Einstieg für das Philosophieren mit Kindern schreibt Michael Siegmund Kinderbücher. Weitere Möglichkeiten mit Kindern ins Philosophieren zu kommen beschreibt er im Kurzinterview.

Die Einstiegshilfe in Form von zwei Kinderbüchern möchte ich Euch heute zeigen:

„Waschbär Willi und Friederike, die Füchsin – Ein Geschichten – Buch zum Philosophieren mit Kindern“ von Michael und Arlett Siegmund.

Frederike und Willi sind die allerbesten Freunde. Sie leben in einem Grünwipfelwald mit vielen anderen Tieren zusammen. Beim Toben begegnen die beiden Freunde einem Frosch mit Zylinderhut, dem letzten Zauberfrosch des Waldes. Er nimmt sie mit auf eine magische Reise, die Frederike und Willi an verschiedene sehenswerte Orte bringt und Denkanstöße liefert.

„Opa- Eule Carl und Enkel-Eule Nils – Ein Geschichten-Buch zum Philosophieren mit Kindern“ von Michael und Arlett Siegmund.

Opa- Eule möchte mit Enkel-Eule einen Ausflug zu einem ganz besonderen Ort machen. Auf dem Weg dorthin passieren die beiden Eulen viele weitere interessante Orte, denn Enkel-Eule war noch nie aus dem Wald herausgekommen. Was gibt es alles zu sehen und zu entdecken. Doch am Ende ist Nils ebenso froh wieder Zuhause zu sein.

Beide Bücher behandeln pro Doppelseite ein Thema – links ist ein Teil der Geschichte und rechts möglich Fragen zum Philosophieren, Reflektieren und Diskutieren.

Meine Kinder mochten beide Bücher, wobei den Mädels die magische Geschichte mit dem Zauberfrosch noch mehr zusagte und „dem Großen“ die bodenständige Geschichte mit Enkel und Opa.

Bei jedem Vorlesen habe ich meist nur eine Frage aus den Vorschlägen rechts herausgepickt und gestaunt, was die Kinder alles dazu erzählen. Natürlich fielen die Antworten altersentsprechend unterschiedlich aus. Sobald die Geschichte mehrmals gelesen ist, kann auch ein einzelnes Thema herauspicken werden z.B. Freundschaft, Familie oder Zoo. Mit einer Erinnerung las Frage in Form von „Weißt du noch, als xy bei abc waren oder defg gesehen haben?“ und dann mit den Kindern ins Philosophieren kommen.

Wir haben an den Büchern unsere Freude. Die Gespräche, die durch die Fragen initiiert wurden, haben uns teilweise neue Impulse für unseren Alltag geliefert und uns als Eltern, wie Michael Siegmund anmerkt, einen wunderbaren Einblick beschert, auch teilweise in überraschend konträrere Ansichten der Kinder.

Ein wenig mehr über den Kinderphilosophen Michael Siegmund erfahrt Ihr im folgenden Kurzinterview:

KinderLeseWunder: Wer bist Du in einem Satz?

Michael Siegmund: In einem Kurzsatz: Ich bin Vater und Kinderphilosoph. In einem längeren Satz: Ich bin Vater zweier Kinder, philosophiere seit über 10 Jahren mit Kindern und Jugendlichen und gebe meine Erfahrungen in Büchern, auf einem YouTubeKanal und auf Instagram weiter.

Hier erfährst Du noch viele mehr Fakten über Michael Siegmund

K.: Was inspiriert Dich zu Deinen Geschichten?

M.S.: Die Freude seit meinen Kindertagen an tollen Kinderbüchern, denn ich liebe gut gemachte Bücher und war schon als Kind ein Vielleser.

K.: Was motiviert Dich zu Schreiben?

M.S.: Es ist ein wundervolles Gefühl ein fertiges Buch in den Händen zu halten und Kinder und Eltern zu sehen, die mit diesen Büchern arbeiten und Fragen stellen. Als Kinderphilosoph freue ich mich, dass meine Bücher einen kleinen Beitrag leisten können, dass Kinder mit ihren Eltern oder in der Schule über Gott und die Welt nachdenken und wirklich philosophieren. Das motiviert mich zutiefst.

K.: Welche Beziehung hast Du zur Philosophie?

M.S.: Die Philosophie spielt in meinem Leben eine ganz große Rolle. Einerseits große, namenhafte Philosophen. Seit meinem Jugendalter beschäftige ich mich mit Philosophie. Ich habe viel gelesen und viele Gespräche mit philosophisch interessierten Menschen geführt. Jetzt philosophiere ich seit 10 Jahren mit Kindern und Jugendlichen. Mein Schwerpunkt ist die Neugier die Welt weiter mit Kinderaugen zu sehen, d.h. zu staunen, sich zu wundern und die Welt als eine offen Welt zu betrachten, die man gestalten kann. Außerdem ist an der Philosophie für mich von Bedeutung das Reflektieren der Welt und das Einnehmen von verschiedenen Perspektiven (Muliperspektivität). Das sind Prinzipien, die ich überall anwenden kann, in meinem Alltag, in der Familie, im Beruf und überall, wo ich unterwegs bin. Damit ist für mich an der Philosophie wichtig, dass man intensiv über die Welt nachdenken und sie besser beurteilen kann, als wenn man sie nur naturwissenschaftlich oder aus seiner Alltagsperspektive heraus betrachtet.

K.: Wie können Eltern ihre Kinder ans Philosophieren heranführen?

M.S.: Es gibt viele Methoden und Wege, zum Beispiel mit Büchern über Geschichten. Der einfachste Weg ist, wenn Eltern im Alltag bewusst einfache philosophische Fragen an die Kinder formulieren z.B. Was ist Freundschaft?, Was ist Liebe?, Wie wird man glücklich?, Sind Erwachsenen oder Kinder glücklicher?, Hat ein Baum Gefühle? Dann gibt es die Spielgelmethode, d.h. die Fragen der Kinder zurück geben. Gerade die Warum-Fragen können dem Kind gespiegelt, also ebenso gestellt werden. „Warum glaubst Du ist es so?“

Hier nennt Michael Siegmund weitere Methoden zum Philosophieren mit Kindern

K.: Welchen Vorteil siehst Du darin, wenn Eltern mit ihren Kindern philosophieren?

M.K.: Für das Kind selbst ist es ein tolles Denk- und Sprechtraining. Etwas zu denken und es dann zu formulieren ist eine tolle Herausforderung für die kognitive Entwicklung des Kindes. Darüber hinaus ist Philosophieren eine emotionale Förderung, denn es geht nicht nur um den rein logischen Denkvorgang, sondern auch das Gefühl „Meine Eltern hören mir zu! Ich werde wahrgenommen! Ich werde gesehen!“ Ein toller Weg für eine gute Bindung und Beziehungsarbeit. Der dritte Vorteil ist die immer neue Sicht der Eltern auf das Kind, dass neue Gedanken und Fragen äußert. Sie bekommen immer wieder einen neuen, tiefen Einblick in die Gedankenwelt der eigenen Kinder.

Weitere Impulse findest Du auf dem YouTube- Kanal und dem Instagramaccount von Michael Siegmund.

Michael Siegmund fordert das Philosophieren als festen Bestandteil im Bildungssystem einzubauen. Was sagt Ihr dazu? Schreibt dazu ein Kommentar.

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