„Unser wirkliches Leben“ von Imogen Crimp

Eine Coming-Age-Geschichte über die Fänge eines Narzissten

⭐️⭐️⭐️ von ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Das Buch erzählt von einer toxische Beziehung einer jungen Frau mit einem mindestens ein Jahrzeit älteren Mann, der bereits eine Ehe hinter sich hat, sagt er. Sie möchte Opernsängerin werden, doch durch diese Beziehung droht ihr Traum zu zerplatzen.

Die Opernstudentin Anna ist frisch nach London gezogen, um an einer renommierten Gesangsschule einen großen Schritt näher an ihren Traum Opernsängerin zu werden, zu kommen. Ihr wird Talent bescheinigt und so schafft sie manche Hürde mühelos, an denen andere SängerInnen scheitern.

Um sich Geld für die Miete zu verdienen, arbeitet sie in einer Hotelbar als Jazzsängerin und lernt nach einem Auftritt einen Mann, Max, kennen, der so anders scheint, als all die Männer, denen Anna bisher begegnet ist. Er überschüttet sie nicht mit Lob und Komplimenten, nur um sie ins Bett zu bekommen, sondern zeigt ihr zuerst die kalte Schulter, was Anna empört. Annas Reaktion amüsiert Max und er macht sich über sie lustig, in dem er ihr angekündigt alles sagt, was sie hören möchte. Auch wenn Anna fühlt, dass er sie nur veralbert und aufzieht, möchte sie seinen Worten unbedingt glauben und lässt sich auf ein Date ein. Nach diesem Abend beherrscht Max immer mehr Annas Gedanken. Soweit, dass sie beinahe ihren Traum aus den Augen verliert.

Leider hat mich das Buch nicht hundertprozentig überzeugen können. Annas Welt als Opernsängerin, ihre Träume und das Milieu der Oper sind interessant erzählt. Die Beziehungsgeschichte zwischen Max und ihr ist teilweise vorhersehrbar aufgebaut. Anna ist das naive Mädchen vom Lande, die in die Fänge einer Narzisssten gelangt und sich nur mit aller letzter Kraft befreien kann. Ihre besten Freundin versucht ihr die Augen zu öffnen, doch Anna verschließt sich vor dem Offensichtlichen.

Wenn man als Leser keine Erfahrungen mit solchen Beziehungen hat bzw. selbst unerkannt in solch einer Beziehung steckt, ist dieses Buch sicher ein Lesegenuss bzw sogar Augenöffnend. Die Sprache ist elegant und gut zu lesen. Für literaturerfahrene Leser, die die Geschichte der unterdrückten und manipulierten Frau schon aus einigen anderen Bücher kennen, gibt es außer dem Setting nicht Neues zu entdecken. Daher würde ich als Zielgruppe junge Erwachsene mit Vorliebe für Coming-Age-Geschichten definieren und diesen das Buch auch empfehlen. Für mich persönlich reicht es dank der Sprache und des Settings für drei von fünf Sternen.

„Unser wirkliches Leben“ von Imogen Crimp, 463 S., erschienenen 2022 bei Hanserblau in der Carl Hanser Verlag GmbH

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