„Die Feuer“ von Clair Thomas

Ein Kammerspiel, dass im Theater während eines Kammerspiels angesiedelt ist – an diesem Setting zu scheitern ist leicht, doch die Autorin schafft es ihre LeserInnen für ihre Geschichte brennen zu lassen. 

In den Bergen wüten Buschfeuer und die Menschen dort kämpfen um ihre Existenzen und ihr Überleben. Im selben Moment sitzen drei Frauen aus drei verschiedenen Generationen im Theater. Der Kontrast ist stark, doch um ihn zu verstärken wird ausgerechnet das Stück „Glückliche Tage“ von Samuel Beckett aufgeführt. Ein Zweiakter, in dem eine Frau, zuerst zur Hälfte und Oma zweiten Akt bis zum Hals in einem Erdhaufen vergraben ist und kurz gefasst versucht so zu tun, als ob alles in Ordnung ist und sie ihr Leben weiterführen kann wie bisher. 

Die drei Hauptfiguren im Buch sind wunderbar komplex angelegt: Die junge Platzanweiserin, die Schauspielkunst studiert und sich im Theater ihren Lebensunterhalt verdient, an Angstzustände leidet und sich während des Stücks um ihre Partnerin sorgt, die in den Berge aufgewachsen ist und deren Eltern akut von einem Feuerherd bedroht sind. Sie ist eine People auf Color, die ihren Vater nicht kennt, wodurch viele Fragen in ihrem Leben ungeklärt sind. Eine reiche Frau in den Vierzigern, eine Kunstmäzenin, die mehrer traumatische Verluste erlebt hat und trotz allem versucht ein erfülltes Leben zu führen. Und eine Professorin in den Siebzigern, die sich mit ihren Ansichten über die Mutterschaft von ihrem Sohn entfremdet und ihm nicht von den Gewaltausbrüchen seines dementen Vaters erzählen kann und der nur ihre Karriere geblieben ist, die ab einem bestimmten Alter keine mehr sein kann. 

Die drei Frauen im Theater können unterschiedlicher nicht sein. Um das zu verdeutlichen, lässt Claire Thomas ihre Figuren in der Mitte des Buche aufeinander prallen. Dies Teil ist wie ein Theaterstück konzipiert. In den restlichen Kapiteln finden sich die LeserInnen jeweils abwechseln in den Gedankenmonologen der drei Frauen wieder. 

Über all den persönlichen Dramen, in denen die Figuren stecken, trotzt das dringlichste Drama mit einer unausgesprochen Frage über dem gesamten Text. Wie relevant sind diese ganzen Schicksale neben der dramatischen Situation der Klimakrise, die die Feuer in Australien unkontrollierbar werden lässt? 

Das Buch hat mich gefesselt, aufgewühlt und berührt. Die Übersetzung ist gelungen und wunderbar zu lesen. Ich kann das Buch wärmstens empfehlen.

„Die Feuer“ von Claire Thomas, übersetzt aus dem Englischen von Eva Bonné, 256 S., erschien 2022 im
Hanser Verlag, ISBN 978-3-446-27297-2

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