„Wölfe“ von Bärbel Oftring

Das Leben des Wolfes in Deutschland besonders interessant und intensiv erzählt. Ein Besonderes Sachbilderbuch für Kinder.

In diesem wunderbaren Buch ist die fiktive, aber realitätsnahe Geschichte eines Wolfsrudels des Europäischen Grauwolfs in Deutschland der rote Faden. Immer abwechselnd wird Faktenwissen mit Abschnitten zu einem erfundene aber faktenbasierte Leben, erst eines Wolfes, dann eines zweiten und dann dem daraus resultierenden Rudel präsentiert. Mit meiner Jüngsten lesen wir nur die erzählende Geschichte, mit den beiden Großen verteifen wir uns ebenso in die Wissensseiten nach Bedarf und aufkeimenden Fragen.

Die Geschichte beginnt mit dem ersten Wolf, der 1996 Deutschland betreten hat. Schauplatz ist die Muskauer Heide. Bärbel Oftring hat die Geschichten vieler Wölfe und Rudel zu einer einzigen verknüpft, sodass das Leben als Wolf greifbar wird. Die atmosphärischen Illustrationen von Theresa Schwietzer tragen zu diesem Gefühl enorm bei. Ein Hingucker sind außerdem die aufklappbaren Seiten, die dem Geschehen noch mehr Raum geben. Informativ finde ich auch die letzte Informationsseite, z.B. zum Kurzfilm Rotkäppchen reloaded von der Kinderreporterin Lena. 

Das Buch ist in unserem Bücherschrank eine Bereicherung und mach immer wieder Spaß.

Auf dem Instagramaccount KinderLeseWunder ist im Beitrag ein Video zum Inhalt des Buches beigefügt. Das Buch hat ein besonders Format, denn die Seiten lassen sich ausklappen, was dem Buch nochmal eine ganz besondere Atmosphäre verleiht.

„Wölfe“ von Bärbel Oftring, illustriert von Theresa Schwietzer, 64 S. (viele zum Ausklappen), 2020 erschienen beim Gerstenber Verlag ISBN 978-3-83695687-1

„Stell dir vor…“ von Rob Hopkins

Ein Weckruf und eine Verbeugung vor der Fantasie 

Ein Sachbuchhighlight in diesem Herbst ist für mich das Buch von Rob Hopkins „Stell dir vor… mit Mut und Fantasie die Welt verändern“. Es ist im Löwenzahn in der Studienverlag erschienen und wurde von Dirk Höfer übersetzt.

In meinen Augen ist Fantasie der Schlüssel, um eine kreative und für alle funktionierende Welt zu erschaffen. Umso gespannter war ich auf das Buch von Rob Hopkins und wurde in meinen Erwartungen nicht enttäuscht. Er geht von der Prämisse aus, dass wenn wir mit Mut und Fantasie an aktuelle Probleme herangehen es für unsere Welt und die Erde nicht zuspät ist. Sein Aufruf ist: die Klimakatastrophe bahnt sich an und doch brauchen wir nicht in Angststarre zu verfallen, sondern sollten neue Ideen suchen und finden.

Bereits in der Einleitung fordert er zu einem Gedankenexperiment auf: Stell dir eine Stadt nach deinen Wünschen vor. Wie würde sie aussehen? Was wäre anders als jetzt? Er beschreibt auch seine Wunschstadt und ganz ehrlich, ich würde sofort hinziehen, gäbe es diese Stadt. Besonders finde ich, dass Rob Hopkins kein Schaumschläger ist, der uns Einhornfarmen und Ponyhöfe beschreibt. Er nimmt ganz reale Projekte aus der ganzen Welt und verbindet sie in seiner Vorstellung zu einer Stadt. 

Und wie setzt man das um? Diese Erfahrungen hat der Autor mit dem von ihm und seinem Freunden ins Leben gerufenen Projekt „Transition Town Totnes“ gesammelt. Es ist ein Prjekt, dass vor ca. 15 Jahren in seiner Heimatstadt gestartet ist und seit dem funktioniert und immer mehr verändert. Der Urspungsgedanke dazu ist: „Wenn wir auf die Regierung warten, dann ist es zuspät. Wenn wir als Einzelne handeln, dann ist es zuwenig. Wenn wir als Gemeinschaft handeln, wird es vielleicht reichen und geschieht gerade rechtzeitig.“ Mittlerweile gibt es eine Transition-Bewegung, die mittlerweile in 50 Ländern und tausenden Gemeinden zu finden ist. 

Doch dieses Buch ist soviel mehr als das Aufschreiben von ein paar Parollen und sich selbst und anderen Projekten auf die Schulter klopfen. Rob Hopkins hat in Acht von Neun Kapiteln sich verschiedenen Themenbereichen gewidmet und gezeigt, wie wichtig die Fantasie und ihre Förderung und Entfesselung ist. Er schreibt über die Bedeutung des Spiels für Kinder, die Fantasie und unsere Welt, wie Fantasie mit der Gesundheit zusammen hängt, wie wir von der Natur lernen können, was Aufmerksamkeitsmanagment damit zutun hat, wie die Schulen sich für mehr Fantasie verändern müssten und vieles mehr.

Mir leuchten nicht alle Schlussfolgerungen von Rob Hopkins ein. Doch das tut meiner Begeisterung für dieses wichtige Buch keinen Abbruch. Im Gegenteil, es dient als wunderbare Diskussionsgrundlage in meinem Umfeld. Ich hab aus diesem Buch für mich und meine Kinder sehr viel Input mitnehmen können.

„Reise durch ein fremdes Land“ von David Park

Der Blick durch die Linse

Tom ist ein Fotograf, der nicht viel von seinen Fähigkeiten als Künstler hält. Er sieht sich als durchschnittlich schlechten Auftragsfotograf, durchschnittlich schlechten Ehemann und durchschnittlich schlechten Vater. Auf einer Reise durch das Land, auf die er sich begibt, um seinen kranken Sohn nach Hause zu holen, führt er Zwiegespräche mit sich selbst. Warum sollte sich ein Leser für den Sumpf eines Einzelnen interessieren, wo wir doch alle drin stecken?

David Park hat die Beschreibung über die Abgründe der menschlichen Psyche in einen spannungsgeladen Plot verpackt.  So wie Tom, der durch die karge, eingeschneite Landschaft fährt, drängend, rastlos, so habe auch ich das Buch gelesen. Tom hat Angst zuspät zu kommen, zu Luke, zu der Fähre, nach Hause zum Weihnachtsfest. Als ob sein Leben davon abhängt. Bis zum Ende wird die Spannung gehalten. Schafft Tom es, und was ist es, was er überhaupt schaffen muss? Was hat sein Leben in diese gefährliche Schieflage gebracht?

Großartig beschrieben ist Toms Blick auf die Welt. Er nimmt die Welt durch seine Kameralinse wahr. Treffender wäre zu sagen, erst mit dem Blick durch die Linse versteht er seine Welt. Erst durch die Beschreibung der Fotoaufnahmen versteht der Leser Tom.

Das Buch ist für jeden, der Fotografie, Musik und Filme liebt. Es ist für jeden, der erlesend verstehen will, wie jemand an seinem Leben fast zerbricht. Es ist für jeden, der archaische Lesewelten zu schätzen weiß, in denen es um nichts weniger als das Leben selbst geht. Was der Leser in diesem Buch nicht findet sind Antworten für die Handlungen der Personen. Am Ende geht es nicht um das Verstehen sondern um das Überleben. Die Kernbotschaft dieses Buches ist für mich, nicht aufzugeben. 

Rezept für ein besonderes Leseerlebnis: Nimm dir ca. drei bis vier Stunden Zeit und lese das Buch in einem Rutsch durch, zumindest beim ersten Durchgang. Das Buch entfaltet dadurch seine intensive Atmosphäre.

„Reise durch ein fremdes Land“ von David Park, übersetzt von Michaela Grabinger, 200 S., erschienen 2021 im Dumont Buchverlag, ISBN 978-3-8321-8002-7

„Junge mit schwarzem Hahn“ von Stafanie vor Schulte

Ein märchenhafter Roman voller phantastischer, fast schon surrealer Elemente.

Dieses düstere Debüt von Stefanie vor Schulte hat mir wunderbare Lesestunden beschert und lässt mich voller Spannung auf ein weiteres Werk der Autorin zurück. 

Martin ist ein Überlebender. Nur erwurde von seinem Vater bei dessen Amoklauf in der eigenen Familie am Leben gelassen. Nun lebt er in einem Dorf volle Einfalt und hat als einzigen Freund seinen schwarzen Hahn. Dieser ist mehr als ein Haustier. Er ist ein phantastisches Element in dieser düsteren Geschichte, die in einer grausamen Welt spielt, die Martin als Glanzpunkt erhellt. Zu Martins Glück bemerken manche Menschen dieses Licht und statt wie die meisten sich davon gedemütigt zu fühlen und sich von Martin abzuwenden, helfen sie ihm auf seinem Weg. Martin hat sich ein großes Ziel gesetzt und das Erreichen löst überraschend stückchenweit auch das Unverständnis über die Handlung seines Vaters. 

Dieses Buch unterhält nicht nur, sondern lässt uns auch wieder stärker die Bequemlichkeiten unseres Lebens erkennen.

„Junge mit schwarzem Hahn“ von Stafanie vor Schulte, 224 S., erschienen 2021 im Diogenes Verlag ISBN 978-3-257-07166-5

„Schattenbruder“ von Iris Hannema

Eine leise und doch gewaltige Geschichte über Abschiede – von Menschen, Vorstellungen und Gewohnheiten – und das Sich-Selbst-Finden.

Ein Anruf zerschneidet Hebes Leben in „ein Davor und ein Danach“. Es ist die Nachricht über den Tod ihres Bruders, die ihre Welt aus den Angeln hebt. Er ist Freitaucher und ständig unterwegs. Den immer präsenten Abschied feiern die beiden Geschwister wie ein Fest, exzessiv. „Statt das Pflaster abzureißen, lösen wir es schmerzhaft Millimeter für Millimeter von der Haut.“ Bei jeder seiner Abreisen hatte ihr Bruder Hebe eine Botschaft hinterlassen. Diesemal ist es ein Rästsel in Form eines Haikus. Die Nachricht der ersten Zeile ist Hebe schnell klar. Sie soll nach Japan fliegen, in ihr gemeinsam „geliebtes Fantasieland“. Diese Reise ist ihre erste Reise alleine und stellt sie vor ganz neue Herausforderungen. Sie macht sich auf die Suche nach der Wahrheit, die sie tief im Herzen schon kennt.

Diese wunderbares Buch, das sich mit jedem Satz weiter entfaltet, hinterlässt bei mir sicher auch wegen den tief emotionalen Abschnitten bleibenden Eindruck. Es ist eine wunderbare Coming-Age-Geschichte mit so vielen wertvollen Gedanken über das Leben, das Am-Leben-sein-Wollen, die Trauer und den Tod. Japan und die japanische Kultur werden sehr genau beschrieben, sodass es nicht nur für Japankenner interessant ist. Allein die kulinarischen Erlebnisse lassen dem Leser das Wasser im Mund zusammen laufen.

Kurzmeinung: Für Geschwister, für Japanfans, für Reiselustige, für Alleinreisende, für Hinterbliebene, für Coming-Ager und alle anderen Buchliebhaber…Eine Geschichte, die unter die Haut geht!

„Schattenbruder“ von Iris Hannema, aus dem Niederländischen übersetzt von Rolf Erdorf, 332 S., erschienen 2021 beim Verlag Freies Geistesleben, ISBN 978-3-7725-3111-8

„Rotkäppchen auf Wolfsreise“ neu erzählt von Ursula Seghezzi

Dieses Wunderbare Bilderbuch ist für alle Naturliebhaber, Groß oder Klein, denn es zelebriert die Verbindung mit allen Lebewesen unserer Erde.

Das Buch handelt von einer tiefen Naturverbundenheit und der Botschaft, dass wir Menschen Geschwister aller Lebewesen auf der Erde sind. „Rotkäppchen auf Wolfsreise – Ein Märchen der Bärenfrau“ erschient in der Reihe „Angstfreie Märchen“ bei Edition Fuchs & Hase.

Das Märchen von Rotkäppchen ist in eine Rahmenhandlung eingebettet. Die Geschwister Flora, Lena und Milo sind am Waldrand bei der Bärenfrau, der Hüterin der alten Geschichten. Am Lagerfeuer rührt die Bärenfrau im Geschichtenkessel und erzählt den Geschwistern die Geschichte von Rotkäppchen.

Als die Zeit dafür reif ist, machte sich Rotkäppchen auf zur ihrer Großmutter, die diese auf eine besondere Reise schicken möchte. Die Wolfsreise soll die junge Frau mit ihren Vorfahren verbinden, „die noch mit den Tieren und Pflanzen sprechen konnten. Auch konnten sie sich so tief einfühlen, dass sie selbst zum Wolf oder zur Wölfin wurden.“

Nach der Geschichte unternimmt auch Lena eine besondere Reise im Wald, die sie mit dem Wald, den Tieren und der Erde verbinden soll. Diese Reise hat ihre große Schwester Flora bereits hinter sich, und sie steht ihrem Bruder Milo in einigen Jahren noch bevor.

Dieses Bilderbuch ist wunderschön erzählt und zeigt dem Leser die Idee von den Möglichkeiten, die uns die Natur und eine Naturverbundenheit bietet. Meine Kinder mögen dieses Buch sehr, meine Jüngste wollte das Buch beim ersten Mal dreimal hintereinander vorgelesen haben.

„Rotkäppchen auf Wolfsreise“ neu erzählt von Ursula Seghezzi, illustriert von Christa Unzner, 32 S., erschienen 2020 bei Edition Fuchs&Hase, einem Imprint vom Van Eck Verlag ISBN 978-3-905881-66-0

„Rotkäppchen hat keine Lust“ von Sebastian Meschenmoser

Märchenparodie der besonderen Art

Dieses Bilderbuch ist eine Rotkäppchenparodie von dem wunderbaren Sebastian Meschenmoser vor. Diese herrlich witzige Geschichte darf in einer Rotkäppchenthemenwoche nicht fehlen.

Der Wolf kriecht aus seiner Höhle und hat mächtigen Hunger. Seine Großmutter hatte einen Merkspruch, wann *wolf* lieber einen Clown, einen Lehrer oder ein süßes Kind fressen sollte. Der Wolf beschließt, er braucht ein süßes Kind in seinem Kochtopf oder Bratpfanne, je nach Rezept, und zieht aus in den Wald. Er findet schnell ein kleines Mädchen, doch noch bevor er sie richtig ansprechen kann, ist sie an ihm vorbeigestapft. Er jagt ihr hinterher, kommt mit ihr ins Gespräch und ist verwundert, wie jemand so wenig von seiner eigenen Großmutter halten und so schlechte Gastgeschenke mitbringen kann. Er fängt an, das Rotkäppchen zu beraten, doch sie ist nicht begeistert und so muss sich der Wolf selbst um die Gastgeschenke kümmern. Bei der Großmutter angekommen läuft alles ganz anders und am Ende finden alle ihr Glück, auch das griesgrämige kleine Rotkäppchen.

Die Illustrationen sind schön, die Figuren wunderbar klischefrei und das Ende überraschend und besonders.

„Rotkäppchen hat keine Lust mehr“ von Sebastian Meschenmoser, 32 S., erschienen 2016 im Thienemann-Esslinger Verlag ISBN 978-3-522-45827-6

„Keine Angst, Großer Wolf“ von Jan De Kinder

Ein Buch über Angst und Traumata im Kontext zum Märchen Rotkäppchen 

Die Protagonisten sind Papawolf und Wolfswelpe. Auch Rotkäppchen hat einen großen Stellenwert in dem Buch „Keine Angst, Großer Wolf“ von Jan De Kinder. Und auch einen fulminanten Kurzauftritt. Dieses wunderbare Buch lässt mich immer schmunzeln, wenn ich es sehe.

Der kleine Wolf versucht seinen Papa in den Wald zu locken, doch der große Wolf hat offensichtlich Angst. Jeder Schritt wird von dem Wolf vorsichtig, zögernd und nur mit viel Überrdungskunst des kleinen Wolfes gemacht. Zwischendurch möchte man den großen Wolf kneifen, weil er so zurückhaltende den Weg verfolgt. Und *leser* fragt sich, wo der kleine Wolf überhaupt hin möchte. So viel sei verraten – das Ende finde ich köstlich.

Neben der humorvollen Seite des Buches wird in der Geschichte behutsam ein wichtiges Thema angesporchen. Der Alltag sogenannter Schattenkinder.

„Rund drei Millionen Jungen und Mädchen wachsen hierzulande bei Vätern und Müttern mit psychischen Beschwerden auf (…)“

Quelle: https://www.jameda.de/gesundheit/psyche-nerven/depressive-eltern-das-sind-die-auswirkungen-auf-kinder

Der junge Wolf, der sich viel Mühe gibt seinen Vater zu motivieren und zu ermutigen, hat mich sehr berührt. Beim Vorlesen kann man sich je nach Alter und Empahiefähigkeit der Kinder entscheiden, auf welcher Aussage des Buches der Schwerpunkt liegen soll.

Ich wünsche mir noch viel mehr von solchen Büchern, die humorvoll sind und doch auch wichtige Themen behandeln, die witzig und kontextuell sind, wie hier der Querverweis zum Märchen, einen Gesprächsanlass bieten und den Leser den Blickwinkel ändern lassen. Ich freue mich sehr, dieses Buch entdeckt zu haben. Auch meine drei Kinder waren begeistert.



„Keine Angst, Großer Wolf“ von Jan De Kinder, übersetzt von Eva Schweikart, 40 S., erschienen 2020 bei Fischer Sauerländer ISBN 978-3-7373-5592-6

„Opa und die Nacht der Wölfe“ von Nora Alexander

Ein wichtiges Buch für Kinder mit dementen Angehörigen. Es erlaubt Kindern auch mal genervt gegenüber der Erfahrung mit Demenz zu sein.

Dieses Buch ist ein spannendes Abenteuer eines Jungen und einem Großvater, dass ein großes Geheimnis hat, dass zudem einen Einblick in die Erfahrung eines Kindes mit allen emotionalen Höhen und Tiefen mit einem Angehörigen, der an Demenz erkrankt ist, gewährt.

Oli wird in das Kümmern um seinen dementen Opa mit einbezogen. Seine wichtigste Aufgabe ist das Spazieren gehen mit ihm. Doch manchmal gibt es Tage, da hat Oli einfach Wichtigeres zu tun. Zum Beispiel das Verteidigen der Bandenehre. Eine feindliche Band hat das Bandenhaus nämlich rosa angemalt und das soll gerächt werden. Statt sich einen Plan ausdenken zu können, muss Oli mit seinem Opa spazieren. Bei solch einem inneren Konflikt sind Pannen vorprogrammiert. Und dann ist da noch die Vollmondnacht und Oli ist mit seinem Opa alleine Zuhause. Er erlebt die Nacht seines Lebens.

Der Erzählstil ist locker, die Illustrationen sind wunderbar. Die angesprochenen Themen wie Demenz, Mobbing und Familienzusammenhalt werden wunderbar behandelt und Oli ist ein sehr sympathischer Protagonist.

„Opa und die Nacht der Wölfe“ von Nora Alexandres, illustriert von Julia Christians, 208 S., erschienen 2019 beim Oetinger Verlag ISBN 978-3-7891-0954-6

„Rotwölfchen“ von Amelie Flechais

Die Liebe zur Natur und den Wölfen fällt der Eifersucht zum Opfer. Das Graphic Novel ist eine wunderschöne Parabel über Hass und seine Zerstörungskraft

Eine kunstvolles und visuell ansprechendes Werk findet der Leser in „Rotwölfchen“ von Amalie Fléchais, erschienen im Imprint toonfish des SPLITTER Verlags. Im Kontext des Märchens Rotkäppchen agieren in diesem Bilderbuch die Protagonisten in umgekehrter Funktion und das macht den Perspektivwechsel so spannend und besonders. 


Ein Wölfchen, dass stets rot gekleidet ist, wird von seiner Mutter zur Großmutter geschickt. Dieses hat ihre letzten Zähne verloren und kann nicht mehr jagen. (Hier wird wunderbar der von Biologen dokumentierte Zusammenhalt unter Wölfe angesprochen, die die Schwachen in ihrem Rudel mitversorgen.) Auf dem Weg durch den Wald soll Rotwölfchen acht auf den Jäger und seine Tochter geben. „Sie (…) hassen uns Wölfe.“ Unterwegs ist Rotwölfchen unaufmerksam und verläuft sich. Da trifft sie ein nettes Mädchen, dass ihr helfen möchte. Sie folgt ihr. Zuspät entdeckt Rotwölfchen, dass es die grausame Jägerstochter ist. Diese erzählt Rotwölfchen eine düstere Geschichte über den Ursprung des Hasses auf die Wölfe des Jägers und seiner Tochter. Doch so richtig scheint die Geschichte nicht ins Bild von Rotwölfchen über die Wölfe zu passen. Und tatsächlich, am Ende erfahren wir eine andere Version, die von der Liebe zur Natur handelt und bei der Rettung Rotwölfchens vom ihrem Vater erzählt wird.

„Rotwölfchen“ ist ein Graphic Novel für Kinder ab 9 Jahren. Die Illustrationen sind wunderschön, stellenweise auch düster. Die Geschichte ist anspruchsvoll und bei jüngeren Kindern nicht für Nebenbei geeignet. Ich halte es bei Büchern wie Martin Baltscheits es so wunderbar formuliert hat: „Wenn ein Kind sagt – Nö“, dass ist mir zu grausam, dann muss es das nicht lesen. Und wenn das Kind es nochmal lesen möchte, dann ist es gut für das Kind. (Nachzuhören in der Folge 25 des wunderbaren Podcasts freigeistern! von Christine Knödler im Gespräch mit Martin Baltscheit). Aus dieser Überzeugung heraus habe ich dieses Graphic Novel meinen Kindern, die ja alle unter 9 Jahren sind, vorgelesen. Die Reaktionen waren ganz unterschiedlich – der Große ist bereits nach den ersten Seiten ausgestiegen. Die Mädels waren begeistert und wollten es im Anschluss sofort nochmal lesen. Dabei haben wir intensiv über den Hass des Jägers gesprochen. Das war für die Mädels noch zu komplex ist, um es sofort in Gänze zu erfassen.

Die wunderbare Aussage der Geschichte ist, dass etwas nicht wahr sein muss, obwohl es jemand so erzählt und dass es immer mehrere Perspektiven gibt. Auch kann jemand die Wahrheit verdrehen, weil derjenige sich vor der Wahrheit selbst schützen möchte, da er sonst daran zerbricht. Dadurch wird der Hass auf sich selbst auf jemand anderen gelenkt und vergiftet die Welt.

„Rotwölfchen“ von Amélie Fléchais, übersetzt von Anne Bergen, 80 S., erschienen 2021 im Imprint toonfish beim Splitter Verlag ISBN 978-3-95839-994-5

„Großvater und die Wölfe“ von Per Olov Enquist

Eine unterhaltsame Geschichte über eine abenteuerreiche Expedition, die dem jungen Leser auf Augenhöhe begegnet.

Eine abenteuerreiche Geschichte mit leicht skurrilen Protagonisten, allen voran der ulkige Opa, der von den Eltern im Klo eingesperrt wird, wenn er zu viel Quatsch macht. Doch eigentlich ist er so verständnisvoll und fantasiebegabt, wie sich jedes Kind einen Opa wünscht.

Mina wacht Nachts auf, weil sie von einem Krokodil in den Po gebissen wird. Die Beruhigungen von ihrem müden Papa, alles sei nur ein Traum verfehlen ihre Wirkung. Am Morgen ruft sie ihren Opa an, erzählt vom Krokodil und Opa hat eine geniale Idee: „Wenn man Angst hat, dass die Krokodile wieder angreifen, dann muss man Großes tun (…) eine große Gefahr überwinden.“ Gesagt, getan. Großvater plant eine Expedition mit Mina und ihren Cousinen und dem Cousin. Und die hat es in sich. Soviel sei verraten: sie begegnen Wölfen und ganz kurz auch einem Bären. Und am Ende des Buches fürchtet sich Mina tatsächlich nicht mehr vor Krokodilen in der Nacht. 

Die Geschichte ist sehr unterhaltsam zu lesen. Der Erzählstil ist in einem flapsigen Ton eines Kindes gehalten und spricht den jungen Leser in seiner Erfahrungswelt gut an. Beispielsweise werden die Eltern beschreiben, die immer nur „Versuch doch zu verstehen. Ich brauche Schlaf.“ auf die nächtlichen Anliegen der Kinder antworten. 

Das Buch wurde u.a. mit dem LUCHS des Jahres 2003 der ZEIT und Radio Bremen ausgezeichnet. Das Buch Großvater und die Schmuggler ist ebenso in diesem Erzählkosmos angelegt.

„Großvater und die Wölfe“ von Per Olov Enquistd, illustriert von Leonard Erlbruch, übersetzt von Wolfgang Butt, 144 S., zum Selbstlesen ab 8 Jahre, erschienen bei dtv Reihe Hanser

ISBN 978-3-423-62226-4

„Der Wolf kommt nicht“ von Myriam Ouyessad

Eine Gute-Nacht-Geschichte die mehr bietet als Argumente gegen die Angst.Räumt mit den klischehaften Vorstellungen über den Wolf auf

Ein Hasenkind fragt seine Hasenmutter, ob sie sich sicher sei, dass der Wolf nicht zum Hasenkind kommt. Durchtränkt von der Vorstellung, das Kind hat Angst vor dem bösen Wolf, welchen wir alle aus Märchen kennen, antwortet sie, dass der Wolf ganz sicher nicht kommt. Das Hasenkind möchte nun im Laufe der Unterhaltung wissen, ob die Mutter sich mit ihrer Aussage ganz sicher sei. Gemeinsam überlegen sie, welche Hindernisse dem Wolf auf dem Weg zum Hasenkind begegnen könnten – Jäger, Autos, verschlossene Türen und weitere. Am Ende der Geschichte gibt es eine überraschende Wendung, die mit der Vorstellung des bösen Wolfes aufräumt.

Die vielen Ideen des Kindes, warum der Wolf doch kommen könnte und die Antworten der Mutter machen beim Lesen Spaß. Auf der einen Bilderbuchseite ist immer das Hasenkind auf seinem Bett zu sehen, auf der anderen Bilderbuchseite der Wolf wie er die Hindernisse überwindet. Das überraschende Ende ist einfach nur schön.

„Der Wolf kommt nicht“ von Myriam Ouyessad, illustriert von Ronan Badel, 32 S., erschienen 2020 im Gerstenberg Verlag ISBN 978-3-8369-6021-2

„Im Wolfswald“ von Annette Moser

Ein wölfisches Abenteuer

Ein tolles Vorlesebuch über Wölfe ab 5 Jahren, welches sich auch prima zum Selbstlesen in der Grundschulzeit eignet ist „Im Wolfswald – Die Geschichte von Tara und Lup“ von Annette Moser. Die schönen Illustrationen sind von Naeko Walter. Erschienen ist das Buch 2020 bei Carlsen. Eine Abenteuergeschichte von zwei Wolfswelpen die Themen wie Pflegefamilie, Geschwisternzusammenhalt und Sachwissen über den Wolf miteinander sehr spannend und herzlich verbindet.

Tara und Lup haben sich geschworen für immer zusammen zu bleiben, doch eines Tages taucht ein fremder Wolf auf, behauptet der Vater von Lup und der Onkel von Tara zu sein und möchte Lup mitnehmen. Aber er hat nicht mit den beiden Geschwistern gerechnet, die kurzerhand ausbüchsen und sich auf dem Weg zu einem verwandten Rudel aufmachen, um sich dort zu verstecken. Unterwegs erleben die beiden Wolfswelpen allerlei wölfische Abenteuer. Sie lernen Jagen, Witterung aufnehmen und andere hilfreiche Fertigkeiten. Am Ende ihrer Reise, die ganz anders verläuft als geplant decken sie alle Familiengeheimnisse auf und finden ihr Glück.

Die Geschichte hat einen wunderbaren Erzählstil. Der Leser erfährt nebenbei einiges über das Verhalten von Wölfen und bekommt eine Einblick in deren Lebensraum. Auch die Konflikte zwischen Geschwistern, beispielsweise Eifersucht und Rivalität werden so erzählt, dass sich Kinder wiedererkennen können. Außerdem wird die Gefühlswelt eines Pflege- oder Adoptivkindes mit allen dazugehörigen Ängsten einfühlsam thematisiert.

Wir haben eine schöne Vorlesezeit mit diesem Buch verbracht.

„Im Wolfswald – Die Geschichte von Tara und Lup“ von Annetter Moser, illustriert von Naeko Walter, 192 S., erschienen 2020 im Calsen Verlag ISBN 978-3-551-55529-8

„Der Lesewolf“ von Bénédicte Carboneill

Lesen verändert die Welt

Was für eine schöne Botschaft in dem Buch für alle Menschen, die Bücher lieben, oder lieben lernen möchten. „Der Lesewolf“ aus dem Midas Verlag hat eine ganz wunderbare Aussage: Lesen macht aus einem böse dreinschauenden Wolf einen umgänglichen Wolf mit ganz vielen Freunden. Der Text stammt von Bénédicte Carboneill, die Illustrationen von Michaël Derullieux und die Übersetzung aus dem Französischen von Gregory Claude Zäch.

Der Wolf wird geweckt und ist neugierig. Ein Vater ließt seiner Tochter vor. Die Geschichte fasziniert den Wolf und zum Glück verliert der Vater beim Weggehen das Buch. Der Wolf möchte wissen, wie es weitergeht, doch leider kann er nicht lesen. Nun ist es für ein gefürchtetes Tier nicht einfach Unterstützung zu finden. Zum Glück ist Einer mutig genug, sodass der Wolf am Ende der Geschichte im ganzen Wald als „Der Lesewolf“ bekannt wird.

Eine schöne Parabel über das Lesen lernen. Meine Kinder fiebern mit dem Wolf mit, denn sie kennen es aus Erfahrung, welche Spannung und Vorfreude beim Warten auf das Vorlesen entstehen kann. Und welche Freude das Zuhören und auch das Selbstlesen bringt. Hier wird die kindliche Erfahrungswelt schön angesprochen. 

Wunderbar finde ich auch, dass der Wolf jemanden findet, der seine Vorurteile wegschiebt und auf das Versprechen, dass der Wolf gibt, vertraut. Der Mut des Einzelnen schenkt allen Waldtieren etwas wunderbares. 

Die wichtige dritte Botschaft, die ich in diesem Buch entdecke, richtet sich an alle Autoren und Autorinnen. Mit spannenden und phantasievollen Geschichten kann man die Welt zu einem schöneren Ort machen. Und sogar Gemüter zum Positiven verändern.

Leseprobe zum Bilderbuch „Der Lesewolf“

„Der Lesewolf“ von Bénédicte Carboneill, illustriert von Michaël Derullieux, 32 S., erschienen im Midas Kinderbuch Verlag ISBN 978-3-03876-136-5

„Wer mag Wölfie?“ von Ragnhild Scamell

In dem rührenden Bilderbuch „Wer mag Wolfie?“ mit Text von Ragnhild Scamell und den Illustrationen von Tim Warnes geht es ein Stück weit um Ausgrenzung und die Aussage, sich selbst treu zu bleiben. Das Buch ist 2020 im Midas Verlag erschienen und wurde von Claudia Koch übersetzt. Auf die Frage, wer denn Wolfie mag, haben meine Kinder eine eindeutige Antwort: „Wir!“

Wolfie ist ein einsamer Wolf, der gerne von den Tieren im Wald gemocht werden möchte. Dieses Leid klagt er einem Vogel, der sich große Mühe gibt ihn aufzumuntern, doch so richtig will dieses Unterfangen nicht klappen. Wolfie hat riesige Raubtierzähne, die in den Augen der anderen sein Lächeln gar nicht lieblich wirken lassen. Und auch sein Wolfsgeheul finden die Waldtiere nicht schön.

Das Wolfslied hat zwei Strophen und ist wunderschön gereimt. Ich habe bei jedem Vorlesen riesigen Spaß daran, dass Lied zu singen. Leider bin ich wohl eher untalentiert, weshalb meine Kinder, statt gerührt zu sein, sich jedesmal kringelig lachen.

Wolfie ist da wohl begabter, der durch seinen Gesang findet er das Glück, wenn auch an anderer Stelle als erwartet. Am Ende wusste Wolfie: „Jemand mag mich!“ und zwar „wie ich bin“.

„Wer mag Wölfie?“ von Ragnhild Scamell, illustriert von Tim Warnes, übersetzt von Claudia Koch, 32 S., erschienen im Midas Kinderbuch Verlag ISBN 978-3-03876-182-2

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